Philogenese des Gehirn (aktuell am 16. 9. 2015)

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Wolfgang Deppert, Gottlieb Florschütz

Zur Möglichkeit einer kulturellen Phylogenese des Gehirns

Sokrates-Universitäts-Verein e.V.

Interdisziplinäres Institut für den Zusammenhang von Kultur- und Naturwissenschaften

1. Definitorische Festlegungen und erste Folgerungen

Es ist schon relativ früh in der Geschichte der Naturwissenschaften bekannt gewesen, daß bestimmte Lebewesen Nervenzellen besitzen, die bei den verschiedensten Lebewesen die Funktion der Reizüber-tragung wahrnehmen. Das heutige Wort für Nervenzelle ‚Neuron‘ stammt ja aus dem Griechischen, was so viel wie Sehne, Faden, Faser oder auch Schnur bedeutet, wodurch sich für die Griechen die Vorstellung einer irgendwie gearteten Funktion der Kraftübertragung verband. Etwas verallgemeinert läßt sich bei einer ersten Betrachtung von Lebewesen sagen, daß die Nerven wohl ein Charakteristikum von tierischen Lebewesen sind. Wenn wir versuchen, den wesentlichen Funktionen der Gehirne auf die Spur zu kommen, die von ihnen auch schon in den allerfrühesten Stufen der Phylogenese des Lebens übernommen wurden, so scheint es vernünftig zu sein, eine möglichst einfache Definition von Lebewesen zu verwenden, in der die hochkomplexen Vorgänge in der Zellbildung noch gar nicht mitge-dacht werden. Diese einfache Definition hat sich schon bei der Definition des Bewußtseins bewährt.1

Diese Definition lautet:

Ein Lebewesen ist ein offenes System mit einem Existenzproblem, das es eine Zeitlang lösen kann.

Diese Definition fordert dazu auf, die Bedingungen zu suchen, die wenigstens erfüllt sein müssen, damit das offene System, welches als Lebewesen definiert ist, die Chance hat, sein Existenzproblem zu überwinden. Die dazu nötigen Funktionen mögen die Überlebensfunktionen genannt werden. Sie lassen sich wie folgt bestimmen2:

1. Eine Wahrnehmungsfunktion, durch die das System etwas von dem wahrnehmen kann, was außerhalb oder innerhalb des Systems geschieht,

2. eine Erkenntnisfunktion, durch die Wahrgenommenes als Gefahr eingeschätzt werden kann,

3. eine Maßnahmebereitstellungsfunktion, durch die das System über Maßnahmen verfügt, mit denen es einer Gefahr begegnen oder die es zur Gefahrenvorbeugung nutzen kann,

4. eine Maßnahmedurchführungsfunktion, durch die das System geeignete Maßnahmen zur Gefahrenabwehr oder zur vorsorglichen Gefahrenvermeidung ergreift und schließlich

5. eine Energiebereitstellungsfunktion, durch die sich das System die Energie verschafft, die es für die Aufrechterhaltung seiner Lebensfunktionen benötigt.

Mit der leicht einsehbaren Darstellung dieser Überlebensfunktionen verbindet sich aber ein Begriff, der einem eingefleischten Naturwissenschaftler Kopfzerbrechen bereiten wird. Dies ist der Begriff der Gefahr, denn die Bedeutung des Wortes ‚Gefahr‘ ist nur final zu verstehen, d.h. auf die Zukunft bezogen. Schließlich enthält der Begriff ‚Gefahr‘ den Hinweis auf ein zukünftiges Geschehen, welches die Existenz des Lebewesens bedroht. Finale Bestimmungen aber gelten für Naturwissenschaftler bis heute noch immer als unwissenschaftlich. Und gewiß soll doch die Untersuchung der Phylogenese des Gehirns die vorgefertigte Bahn der Wissenschaftlichkeit nicht verlassen. Dazu bedarf es einer wissen-schaftlichen Versöhnung zwischen Kausalität und Finalität, die andernorts bereits geschehen ist.3 Diese Versöhnung wird durch den Begriff des Attraktors möglich, der eine spezifische Anwendung in der quantenphysikalischen elektromagnetischen Atomtheorie erfährt, indem die sogenannte Affinität der Atome, eine Edelgaselektronenkonfiguration zu erreichen, als Attraktor der Atome gedeutet wird, der schließlich zu dem finalen Begriff des Willens führt, welcher in den ersten molekularen Lebewesen bereits als Überlebenswille identifizierbar ist. Von dieser Versöhnung zwischen kausalen und finalen wissenschaftlichen Betrachtungsweisen der Natur wird noch oft die Rede sein müssen, da sie für die Phylogenese des Gehirns eine wesentliche Rolle spielt.

Auf unserem Diskussionsstand ist nun ersteinmal zu fragen, wie die soeben aufgezählten Überlebens-funktionen für die Existenzerhaltung möglichst schnell und zuverlässig wirksam werden können. Dazu müssen sie optimal miteinander verschaltet sein. Diese Verschaltungsorganisation ist bereits als das Bewußtsein4 definiert und identifiziert worden; denn die Tätigkeit dieser Überlebensfunktionen läßt sich unschwer mit und in unserem Bewußtsein wahrnehmen, dessen Kenntnis wir durch den Bedeutungs-erwerb des Wortes ‚Bewußtsein‘ durch die Umstände des Spracherwerbs besitzen. Durch diesen Bedeutungserwerb findet bei den Menschen zugleich eine Identifikation des Bewußtseinsträgers mit seinem Bewußtsein statt, so daß dieser sagen kann: „Ich habe dieses Bewußtsein von mir in mir“.5 Diese Identifikation der physiologischen neuronalen Verschaltungsvorgänge im Gehirn mit dem eigenen Ich in einem Bewußtsein fällt noch immer vielen Philosophen, Gehirnforschern und Biologen sehr schwer, wodurch sie sich ihr intellektuelles Leben unnötig kompliziert machen. Diese Schwierigkeit steht in deutlichem Zusammenhang mit der schon von Platon stammenden und vom Christentum besonders gestützten Zweiteilung der Welt in Geistiges und Materielles. Obwohl viele Philosophen und Wissenschaftler unserer Zeit versuchen, sich von diesem unseligen Dualismus zu lösen, scheint es in ihrem Gefühl noch nicht vollständig zu gelingen, wie es sich aus ihren Werken erschließen läßt, etwa bei dem Philosophen Thomas Metzinger6, dem Neurophysiologen Wolf Singer7 und sogar auch bei dem Biologen Ernst Mayr, der sogar schlicht behauptet, daß sich der Begriff ‚Bewußtsein‘ grundsätzlich nicht bestimmen läßt8, was freilich unhaltbar ist, weil wir es ja hier erneut getan haben.

2. Zu den grundsätzlichen Möglichkeiten der Realisierung von physischen Bewußtseinsträgern

Fragen wir uns nun, auf welche Weise die Verschaltungsorganisation physisch realisiert werden kann oder besser, wie sie im Laufe der Evolution realisiert worden ist, dann bot sich in der Evolution dafür an, die höchste Übertragungsgeschwindigkeit, die physikalisch überhaupt verfügbar ist, dafür einzu-setzen, nämlich die Lichtgeschwindigkeit, die in allen elektro–magnetischen Vorgängen – freilich noch materialabhängig – automatisch realisiert wird. Dadurch ist schon einmal klar, daß die Entstehung des Lebens von der physikalischen Seite aus betrachtet, stets mit elektro-magnetischen Vorgängen einhergegangen ist. Und nun verwundert es auch gar nicht mehr, daß wir bereits den in den Lebewesen vorhandenen Überlebenswillen, welches wieder ein finaler Begriff ist, mit Hilfe der elektro-magnetisch quantenphysikalischen Atomtheorie der Attraktoren physikalisch ableiten konnten, denn die Attraktoren verwirklichen sich für viele Atome in Form von elektrisch geladenen Ionen.

Außerdem ist auch klar, daß das Wasser für die Phylogenese des Lebens eine große Rolle spielen mußte, weil das Wasser ein ganz idealer Transporteur von elektrisch geladenen Ionen ist. Insbesondere für die optimale Verschaltung der Überlebensfunktionen werden elektro-magnetische Leitungssysteme im Laufe der Evolution entstanden sein, die wir heute die Nerven nennen und die sich im Laufe der Evolution zu Nervenzellen herangebildet haben. Damit aber überhaupt Zellen entstehen konnten, mußten Hunderte von Millionen Jahre im Laufe der chemischen bzw. biologischen Evolution vergehen; denn die Zellen sind schon äußerst komplexe selbständige Lebewesen. Und schon auf der Entstehungsebene der Zellen entscheidet sich bereits, ob eine Zelle die Funktion einer Nervenzelle übernehmen kann oder nicht.

Jede Zelle ist bereits ein offenes, selbsterhaltendes System, also nach der hier verwendeten Definition ein Lebewesen. Die ersten Formen der Zellbildung, die noch keinen Zellkern besitzen, werden als prokariotische Zellen bezeichnet oder auch kurz als Prokarioten, zu denen die Bakterien gehören. In ihnen sind die fünf Überlebensfunktionen noch nicht als voneinander getrennt zu betrachten, und insofern ist auf sie die Definition des Bewußtseins noch nicht anwendbar. Dies gilt entsprechend auch für die Eukarioten, die bereits einen Zellkern besitzen. Aber diese spalten sich in der Evolution bereits in die Pilz-, Pflanzen- und Tierzellen auf. Diese unterscheiden sich wesentlich dadurch, daß sich die Pilz- und Pflanzenzellen einen eigenen Überlebensschutz in Form von relativ stabilen Zellwänden zulegen, was für die tierischen Zellen nicht gilt. Diese besitzen für ihre System-Abgrenzung lediglich eine semipermeable Membran, wodurch sie sich die Möglichkeit zu optimalen elektromagnetischen Wechselwirkungen mit anderen Zellen erhalten. Dies aber ist die Voraussetzung dafür, daß durch die Evolution eine Verselbständigung der einzelnen Überlebensfunktionen stattfinden konnte, wie sie in allen höher entwickelten tierischen Lebewesen als Sinnesorgane ausgebildet sind.

Diese Sinnesorgane ermöglichen den Lebewesen den für ihre Überlebenssicherung nötigen Kontakt zu ihrer Umwelt und auch zu ihrer eigenen Innenwelt. Dazu bedarf es eines Kontaktzentrums im Inneren des Lebewesens, das bereits als die Verschaltungsorganisation der Überlebensfunktionen identifiziert und als Bewußtsein bezeichnet wurde. Die möglichen Informationen über Änderungen in der Außen- und Innenwelt sind in den physikalisch erfaßbaren Änderungen von Druckverhältnissen und von elektromagnetischen Feldern enthalten. Die Sinnesorgane sind in der Lage, die auf sie einwirkenden Änderungen in elektromagnetische Impulse zu verwandeln, die über die Nerven in die Verschaltungs-organisation eingespeist werden. Die Verschaltungsorganisation findet bei allen Lebewesen in einem bestimmten Organ statt, das wir Gehirn nennen. Es ist das Organ, das in der Evolution die Aufgaben der Überlebenssicherung übernommen hat und darum als das Sicherheitsorgan der Lebewesen zu bezeichnen ist, welches die Lebewesen mit der Fähigkeit versieht, ihr Existenzproblem eine Zeit lang lösen zu können, und die Evolution hat stets die erblichen Veränderungen konserviert, welche die Sicherheit des Überlebens der Einzellebewesen oder das ihrer Art verbesserten.

An dieser Stelle tauchen nun die bereits angedeuteten erheblichen Vorstellungsschwierigkeiten auf; wenn wir versuchen, uns klar darüber zu werden, daß unser Bewußtsein mit der Verkopplungs-organisation unserer Überlebensfunktionen, die in unserem Gehirn stattfindet, zu identifizieren ist. Die Verkopplungsorganisation besteht aber aus lauter miteinander verschalteten materiellen Neuronen. Und nun ist es nicht ganz leicht, sich vorzustellen, daß unser Ich-Gefühl identisch ist mit dieser unglaublich komplizierten Verschaltungsorganisation materiell existierender neuronaler Netze. Neuronale Netze kennen wir als mathematische Konstruktionen, mit denen wir die Leistungen unseres Gehirns sehr viel besser beschreiben können als mit dem alten Modell der KI-Forschung, wonach man versucht hatte, die Vorgänge im Gehirn analog den Vorgängen in unseren Computern zu begreifen, was sich allerdings als ein gänzlich unbrauchbares Modell herausgestellt hat9, weil aufgrund der in unseren Computern ablaufenden linearen Kopplungen, keine Selbstorganisationen aufgrund von nichtlinearen rückgekop-pelten Verschaltungen stattfinden können, wie es aber in unseren Gehirnen fortwährend geschieht. Und unser Bewußtsein ist nur in Form von rückgekoppelten stehenden Wellen denkbar, die insgesamt vielfältige Attraktoreigenschaften besitzen, welche durch ihre Überlagerungen einen systemerhaltenden Zentralattraktor ausbilden, den wir als unser Ich erleben.

In dieser Situation der eigenen Vorstellungsschwierigkeiten über die Natur unseres Bewußtseins können wir uns möglicherweise ersteinmal mit ganz anderen Vorstellungsschwierigkeiten über die menschliche Existenz hinwegtrösten, die Kurt Hübner in seiner Mythosforschung beschrieben hat, dass nämlich die Menschen der mythischen Kultur-Epochen ein ganz anderes Bewußtsein hatten, als wir heute, obwohl ihre Gehirne und Sinnesorgane durch die biologische Evolution mit großer Sicherheit genauso organisch entwickelt und aufgebaut waren wie die Gehirne und Sinnesorgane der heute leben-den Menschen. Hübner arbeitet an den uns verfügbaren Texten aus der Zeit des Mythos in aller Klarheit heraus, daß Menschen mit einem mythischen Bewußtsein gar keine Möglichkeit besitzen, Einzelnes von Allgemeinem, Materielles von Ideellem oder auch Inhaltliches von Formalem zu unterscheiden. Damit konnten sie keine Begriffe denken und derartige Überlegungen, wie die hier angestellten, waren für sie ganz unmöglich. Demnach muß etwas mit unseren Gehirnen geschehen sein, etwas, das eine besondere Phylogenese der Gehirne bewirkte, aber eben keine biologische, sondern eine kulturelle Phylogenese; denn die Zeiträume für deutliche organische Veränderungen auf dem Wege der biologischen Evolution sind sehr viel länger als nur ein paar tausend Jahre, und es sind allenfalls 2800 Jahre her, seit es erste Anzeichen für den Beginn des Zerfalls des Mythos gibt. Wir haben darum nun der Denkbarkeit einer kulturellen Phylogenese der menschlichen Gehirne nachzugehen.

3. Die Denkbarkeit einer nicht biologischen Phylogenese des Gehirns

Aus der hier verwendeten Definition von Lebewesen und der daraus folgenden ersten funktionalen Bestimmung notwendiger Eigenschaften der Lebewesen in Form von fünf Überlebensfunktionen läßt sich erschließen, daß es eine evolutionär angelegte und damit genetisch vererbte Verschaltungsorgani-sationsstruktur der Überlebensfunktionen zur Sicherung der Existenz der Lebewesen geben müßte und eine ebenso ererbte Systematik des Aufbaus dieser Strukturen in der embryonalen und fortfahrend in der nach-embryonalen Lebensphase nach der Geburt. Dies ist eine unabdingbare Voraussetzung der spezifischen biologischen Evolutionsfähigkeit. Die Verschaltungsorganisation der Überlebensfunk-tionen haben wir als das Bewußtsein des Lebewesens definiert, wenn sie sich in den Lebewesen bereits räumlich voneinander entfernt ausgebildet haben. Darüber gibt es noch eine Menge zu forschen, wie sich die Verschaltungsorganisationen im Laufe der Evolution herangebildet haben. Und ganz sicher sind für die verschiedenen Lebewesen dazu auch recht verschiedene Möglichkeiten realisiert worden. Die grundsätzlich apriorischen Möglichkeitsräume und deren erste Realisierungsvarianten gehören zum Aufbau einer theoretischen Gehirnphysiologie, wenn wir die Verwirklichungen von neuronalen Verschaltungsorganisationen als unsere Gehirne verstehen. Diesen Teil der Forschungsarbeit über die Phylogenese der Gehirne müssen wir den philosophisch und wissenschaftstheoretisch gebildeten Sinnesphysiologen überlassen und uns einstweilen mit der Besonderheit beschäftigen, daß die Gehirne offenbar nach ihrer biologischen Phylogenese noch eine Möglichkeit zur kulturellen Phylogenese besitzen, was insbesondere für die menschlichen Gehirne zutrifft. Darum müßten die Möglichkeiten einer kulturellen Phylogenese der Gehirne, in den Gehirnteilen stattfinden, die bei unseren direkten Vorfahren unter den Primaten noch nicht ausgebildet sind. Das wäre von einer vergleichenden Gehirnphysiologie herauszufinden. Im Unterschied zum animalischen Gehirn unserer primitiveren Primaten-Vorfahren verfügt unser Gehirn über einen relativ großen Frontallappen, in dem bestimmte kognitive Funktionen im Tegmentum und insbesondere in der retikulären Formation lokalisierbar sind, wo vermutlich auch Bewusstsein, Selbstbewusstsein etc. durch deren Verschaltungsfunktionen erzeugt werden und vermutlich in Form von Überlagerungen der entsprechenden animalischen Gehirn-Strukturen. Aber diese Einzelheiten werden sich erst in der Zusammenarbeit mit den Gehirnphysiologen ausmachen lassen.

Die biologische Evolution hat den Primaten ein Gehirn beschert, welches aus bis zu einer Billion Neuronen besteht, wobei sich jedes Neuron in wenigstens 20 Dendriten verästelt, mit denen es sich mit anderen Neuronen verbinden kann. Dazu kommen noch etwa 3 Billionen Gliazellen, welche einerseits die wichtige Aufgabe des Stützens der neuronalen Verbindungen haben und zudem auch noch zu Verschaltungen fähig sind, die sie zur Erfüllung ihrer stützenden Funktionen benötigen. Die Menge der möglichen Verbindungen zwischen den Gehirnzellen ist überaus komplex und es muss darum schon durch die Evolution ein bestimmtes Überlebensprogramm im Gehirn vererbt werden, wonach sich mit der Geburt und auch schon davor solche Verbindungen zwischen den Gehirnzellen aufbauen, welche in den Lebewesen schon mit ihren ersten Kontakten zu ihrer Umwelt überlebensfähige Bewußtseins-formen heranbilden. Zu den übermäßig vielfältigen Verschaltungsmöglichkeiten im Gehirn kommen noch die sehr fein ausgebildeten Sinnesorgane hinzu, die wiederum eine übermäßig große Fülle an Nervenreizen ins Gehirn schicken. Und dies ist gewiß eines der ersten großen Wunder, daß das Gehirn es relativ schnell lernt, diese übergroße Fülle an Nervenreizen so miteinander zu organisieren, daß die Lebewesen es von Geburt an auf scheinbar systematische Weise lernen, sich in ihrer Umwelt in einer überlebens-sichernden Weise zurecht zu finden. Das gilt für die Tiere, die eine Kindheit besitzen, ebenso wie für uns Menschen, wobei als Kindheit die Zeit bezeichnet sei, in der das Lebewesen von seiner Geburt an bis zu seiner selbständigen Überlebensfähigkeit heranreift. Die dazu nötigen Lernvorgänge sind offenbar durch die biologische Evolution bereits systematisch organisiert worden, so daß es einen bei allen Neugeborenen in gleicher Weise zu beobachtenden Entwicklungsfortschritt beim Erlernen der wichtigsten existenzerhaltenden Techniken und Methoden gibt. Die dabei erreichbaren Entwicklungsstufen sind bereits vielfach von Biogenetikern wie etwa Franz Wuketits oder auch von dem Evolutionsbiologen Ernst Mayr beschrieben worden. Spezifische Parallelen in der Entwicklung der verschiedenen Primaten, zu denen auch wir Menschen gehören, hat besonders Peter Singer heraus-gearbeitet und verblüffende Ähnlichkeiten zwischen Menschen und Menschenaffen festgestellt.10

Diese Entwicklungen der Gehirnaktivitäten gehören jedoch zu der nicht mehr als rein biologisch zu bezeichnenden Phylogenese des Gehirns, da sie nur auf einer irgendwie genetisch vorgegebenen planvoll ablaufenden Verschaltungssystematik der Gehirnzellen zustande kommt, ohne dass dabei die grundsätzlich vorgegebene Physiologie der Gehirnzellen bzw. ihrer neuronalen Verschaltungen grundlegend verändert würde. Die große Unterscheidung zwischen Menschen und Tieren scheint mit dem Zeitpunkt einzutreten, zu dem der Spracherwerb bereits im Kleinkind-Alter beginnt, obwohl auch dies noch ein sehr spannendes Übergangsfeld bei den Primaten darstellt; denn die Fähigkeit des Sprechens setzt evolutionär entstandene physiologische Veränderungen voraus, etwa was die Struktur des Kehlkopfes und physiologische Veränderungen im Rachenraum angeht, die erst bestimmte und sehr differenzierte Tonbildungen ermöglichen. Es sei an dieser Stelle postuliert, daß die kulturelle Entwicklung der Menschheit mit der Epoche der Entwicklung seiner sprachlichen Kommunikations-fähigkeit allmählich anfängt. Wie man inzwischen weiß, besaßen bereits die Neandertaler (die vor ca. 25.000 Jahre ausgestorben sind) solche Sprechorgane, mit denen sie sich durch gutturale Laute mit ihren Stammesangehörigen verständigen konnten.

Die frühesten Kenntnisse über die möglichen Bewußtseinsformen von Menschen aus ihrer Urzeit haben wir erst aus der Zeit, in der die Menschen damit begannen, ihre bereits entwickelten Kommunikations-möglichkeiten zu verschriftlichen. Davor wurden die Mythen von den Göttern der Ahnen durch orale Kommunikation von einer Generation zur nächsten weiter getragen. Denn das Verschriftlichte ist eine besondere Leistung des Gehirns, wodurch Rückschlüsse auf bestimmte neuronale Strukturen des Gehirns möglich sind, durch die das Gehirn seine Aufgabe der Überlebenssicherung der Gattung oder Art, in der es enthalten ist, systematisch betreibt. Um diese erforschbar zu machen, müssen die vorfindbaren schriftlichen Äußerungen von Menschen analysiert werden. Dabei tritt stets die grundsätzliche Schwierigkeit auf, daß wir dies nur mit den herkömmlichen Analyse-Methoden tun können, die unsere heutigen Gehirne uns bereitstellen, und wir müssen die evolutionstheoretisch bedingte axiomatische Annahme machen, daß unsere heutigen Denkformen und -muster aus den Denkformen entstanden sind, die wir mit Hilfe der schriftlichen Überlieferungen herausfinden wollen, weil wir meinen, daß die Bedingungen für das Vorliegen dieser Überlieferungen mit den zu erforschenden Gehirnstrukturen gegeben sind.

Sicher gibt es bereits evolutionär bedingte Gehirnstrukturen, die wir aus dem Tierreich ererbt haben, aber dazu gehört auch die enorme Plastizität unserer Gehirne mit der Fähigkeit, auf die evolutionär bedingten Gehirnstrukturen weitere kulturbedingte Gehirnstrukturen draufzusatteln. Daß dies möglich ist und dadurch eine kulturelle Phylogenese des Gehirns hervorgebracht wird, können wir Kurt Hübners epochalem Werk „Die Wahrheit des Mythos“ entnehmen, indem er darin überzeugend nachgewiesen hat, daß die Menschen in mythischer Zeit ein ganz anderes Bewußtsein hatten als wir es heute haben, so daß wir davon ausgehen können, daß sich auch die Bewußtseinsformen der menschlichen Gehirne noch in einem kultur-evolutionären strukturellen Ausformungsprozeß befinden. Die mythischen Menschen nahmen ihre Wirklichkeit mit einem zyklischen Zeitbewusstsein11 als eine von ortsgebundenen Gottheiten geschaffene und geprägte Wirklichkeit wahr, in der alles, was geschieht, von Ewigkeit zu Ewigkeit wiederkehrt. Das ist für uns kaum noch vorstellbar, weil wir in der modernen naturwissenschaftlichen Weltsicht von einem offenen Zeitbegriff ausgehen, in dem sich das Vergangene nicht wiederholt.

4. Zur Frage der möglichen Ausbildung einer kulturellen Phylogenese des Menschengehirns

All unsere Analyseverfahren über etwas Gewesenes sind historisierende Verfahren, in denen alles Gewordene aus etwas anderem entstanden ist, das selbst wiederum aus etwas zeitlich Vorausgehendem geworden ist. Und unsere Bewußtseinsstruktur ist vermutlich auch aus der mythischen durch bislang noch weitgehend unbekannte kulturelle Strukturveränderungen hervorgegangen. Dadurch ist im historischen Betrachten selbst offenbar ein kausales Denken angelegt, das aber auf keinen Fall dazu verführen darf, auf ein finales Geschichtsziel zu schließen, das den Ablauf der Kulturgeschichte hervorbrächte, wie es Hegel irrtümlich annahm, um die scheinbare Kausalität finalistisch zu erklären. Umgekehrt aber haben die Naturwissenschaftler aus der Kausalität – sogar leider auch mit Immanuel Kants Hilfe – ein Dogma gemacht, indem sie meinen, daß Naturwissenschaft ausschließlich kausale Erklärungen zulassen dürfe und daß finale Erklärungen darum grundsätzlich unwissenschaftlich wären. Es ist eines der besonderen Verdienste Kurt Hübners, gezeigt zu haben, dass alle naturwissen-schaftlichen Methoden und Begrifflichkeiten nur historisch verstanden werden können. Dadurch, daß er auf die grundsätzliche historische Kontingenz der Wissenschaften und insbesondere der Naturwissen-schaft hinwies, hat er sich nicht nur Freunde gemacht, weil die Historie zu den sogenannten Geistes-wissenschaften gehört, von denen die Naturwissenschaftler immer noch irrtümlicherweise meinen, sich grundsätzlich von ihnen absetzen und sogar scharf trennen zu müssen. Aber diese historisierende Betrachtungsweise brachte Hübner auf die Einsicht, die historischen Quellen der Kulturgeschichte der Menschheit einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Dadurch hat er ein weiteres großes Verdienst erworben, eine erste gründliche Analyse der Bewusstseinsform der Menschen aus der sogenannten mythischen Zeit geliefert zu haben. Die mythische Bewußtseinsform, die zweifellos durch das menschliche Gehirn hervorgebracht wird, läßt sich nach Hübner durch folgende Wirklichkeits-auffassungen und Sprachformen beschreiben:

1. Alles Geschehen wird durch die Wirksamkeit von Gottheiten bestimmt.

2. Die Wirksamkeit der Gottheiten findet nur an den Orten oder Gebieten ihrer Gegenwart statt.

3. Der Ablauf allen Geschehens ist eine Aneinanderreihung von sich ewig wiederholenden Ereignissen.

4. Das zyklische Geschehen des Sternhimmels gibt die Wirksamkeit der Götter wieder, die im Kosmos ihren Sitz haben. Die Zahl 4 ist heilig wegen der vier Mondphasen, die Zahl 7, weil jeder Mondphase 7 Tage zuzuordnen sind und die Zahl 12, weil 12 Mondumläufe das Jahr füllen (allerdings nur ungefähr).

5. Zahlen treten nur in Form von Zahlqualitäten als heilige Zahlen auf, die mit dem göttlichen Geschehen verbunden sind und mit denen sich zeitliche Ganzheiten unterteilen lassen. Es gibt kein fortlaufendes Zählen und kein Messen.

6. In den sprachlichen Quellen wird nicht zwischen Einzelnem und Allgemeinem, Materiellem und Ideellem oder Körperlichem und Seelischem unterschieden. Diese Unterscheidungen treten erst nach dem Zerfall des Mythos auf, so daß im Nachhinein der Mythos als ganzheitliche Struktur erscheint.

Wie lange diese mythischen Wirklichkeits-Interpretationsmuster das Bewusstsein und Denken der Menschen in der anfänglichen Menschheitsgeschichte bestimmte, ist nicht datierbar, da es keine Verschriftlichung darüber gibt, vermutlich aber über einige hunderttausend Jahre. Es ist nun aber zu fragen, ob es eine Erklärung für diese ersten Bewußtseinsstrukturen der Menschen gibt. Die Antwort kann sich nur aus der Funktion der Gehirne erschließen lassen, welche sie für die Lebewesen und insbesondere auch für die Menschen zu erfüllen haben, weil sich die Gehirne aufgrund der evolutionsbestimmenden Überlebensfunktionen der Lebewesen gebildet haben. In den hier vorgestellten Funktionen, die mitsamt ihrer Verkopplungsorganisation zum Überleben von Lebewesen notwendig vorhanden sein müssen, erfüllen die Gehirne ihre Aufgabe der Überlebenssicherung über die neuronale Verkopplung der Überlebensfunktionen. Die Gehirne sind somit der Sitz des Bewußtseins der Lebewesen, und sie sind zugleich die Sicherheitsorgane der Lebewesen. Dazu entwickeln sie Bewußtseinsformen, durch die das Überleben in einer vorfindlichen Um- und Innenwelt-Situation bestmöglich gesichert werden kann.

Nach unseren heutigen groben neurophysiologischen Kenntnissen ist die Mannigfaltigkeit der von den Sinnesorganen im Gehirn eintreffenden Außenweltreize in Form von elektromagnetischen Impulsen unübersehbar groß – und noch gewaltiger die Mannigfaltigkeit der möglichen Verschaltungen zwischen den Milliarden von Neuronen und Dendriten, mit denen es komplexe Verschaltungen mit anderen Gehirnzellen vornehmen kann. Um das damit verbundene Informationsproblem zu lösen, muß es bereits im Gehirn evolutionär angelegte Reizverarbeitungsstrategien geben, die aber ersteinmal aus Sicherheitsgründen nur mit einem Bruchteil der gesamten neuronalen Verschaltungskapazität des Gehirns auskommen muss. Zu diesen Überlebensstrategien gehört unter anderem die Objektkonstitution – sicher auch schon für die Tierwelt – und die Speicherung zur Wiedererkennung, so ist es etwa für einen Fuchs nicht unwichtig, ein Kaninchen von einer Ratte unterscheiden zu können, da Ratten sehr wehrhaft sind, die Kaninchen aber nicht oder nur wenig. Und dabei wäre die Unterscheidung von Einzelnem und Allgemeinem gänzlich irrelevant, ja eher sogar verwirrend und störend. Diese Gehirnleistung, die Reizfülle zu wiedererkennbaren Objekten zusammenzufassen, gehört sicher schon zur biologischen Phylogenese des Gehirns und sie ist eine Form, die im Mythos wiederzufinden ist und gewiß auch für die heutigen Menschen, so daß es gar nicht verwunderlich ist, daß sich Kant damit intensiv befasst hat. Es bleibt aber unverständlich, warum er diese Verstandesleistung nicht ganz selbstverständlich auch den Tieren zugesprochen hat, was er im Gegenteil sogar ausdrücklich verneinte12. Schon in dieser evolutionär bedingten Fähigkeit des Gehirns zur Objektkonstitution ist bereits deutlich seine Sicherheitsfunktion zu erkennen; denn nur durch das Erkennen von gefahrlosen Nahrungsquellen lässt sich das Überleben der Lebewesen sichern. Womöglich gehört zu diesen Erkenntnisformen, die schon bei Tieren anzunehmen sind, auch bereits die bei mythischen Menschen nachweisbare Ortsgebundenheit bestimmter göttlicher Wirkmechanismen. Überall, wo die Menschen etwas zum Überleben Wichtiges finden konnten, verstanden sie dies als die Wirksamkeit von Göttern, die an diesen Stellen anwesend waren, wie etwa die Nymphen, welche an dem Ort von bestimmten Wasser-Quellen wohnten. Diese Ortsgebundenheit von Nahrungsquellen kennen sicher auch schon Tiere. Wenn etwa ein Fuchs eine Gegend gefunden hat, in der die Kaninchen sich ihre unterirdischen Bauten anlegen, dann ist es für die Sicherung des Nahrungsangebots gewiss nicht unwichtig, dass die Fuchsgehirne sich die Gegend merken, so daß auch die Ortsgebundenheit mythischer Gottheiten – verstanden als die lebenssichernden Wesenheiten – durchaus schon zur biologischen Phylogenese tierischer Gehirne gehören könnte.

Läßt sich womöglich auch das mythische zyklische Zeitbewußtsein schon im Tierreich finden? „Oh, ja!“, hören wir da die Chronobiologen rufen, und allen voran der gerade erst verstorbene Franz Halberg, der den Begriff der circadianen Rhythmen überhaupt erst geprägt13 und darüber hinaus gefunden hat, daß in allen Lebewesen nicht nur circadiane Rhythmen angelegt sind, sondern auch Lebensrhythmen von sehr viel längerer Dauer, die sich auch über mehrere Jahre erstrecken kann.14 Demnach sind in allen Lebewesen und sogar schon in den Zellen zyklische Zeitstrukturen angelegt. Diese zyklischen Rhythmen verlaufen sogar auch ohne eine Steuerung durch das Gehirn, wobei sich das Gehirn ganz sicher als Überlebensorgan mitbeteiligt hat und es auch weiterhin tun wird. Denn die Ordnung allen Geschehens in identisch gleiche zeitliche Abläufe, bedeutet ja eine ganz enorme Vereinfachung der übergroßen Reizfülle, die über die Sinnesorgane ins Gehirn eingespeist wird.

Eine entsprechende Vereinfachung der Überlebensproblematik liefert die strukturelle Übertragung der Lebenssicherung durch die Eltern-Tiere auf gedachte Gottheiten und deren Verehrung. Auch diese Struktur ist bereits im tierischen Bereich angesiedelt, das Verhalten so einzurichten, daß den Ernährern Folge geleistet wird, so daß das zugehörige Bewußtsein als Folgsamkeitsbewußtsein bezeichnet sein mag. Wie eindrucksvoll hat dies Konrad Lorenz gezeigt, als seine von ihm aufgezogenen Graugansgüssel ihm ebenso so nachliefen, wie einer richtigen Grauganz-Mutter. Das Folgsamkeits-bewußtsein finden wir demnach bereits bei allen Tieren, die eine irgendwie geartete Kindheit durchleben. Es ist ein Bewußtsein, in dem noch keine Reflexion über die Folgen der Befolgung oder der Nichtbefolgung der gebotenen Folgsamkeit stattgefunden hat. Sobald dies geschieht, haben wir es bereits mit einem menschlichen Bewußtsein zu tun, in dem ein Reflektieren stattfindet. Wenn das Reflektieren das Ergebnis zu Tage fördert, daß die Folgeleistung positive Folgen hat, wird aus dem Folgsamkeitsbewußtsein ein Gefolgschaftsbewußtsein, und wenn die Folgen der Nichtbefolgung negativ sind und darum vermieden werden müssen, ein Unterwürfigkeitsbewußtsein.15 Die Bewußtseinsform der mythischen Götterverehrung ist einstweilen „neutrales“ Folgsamkeitsbewußtsein durch das der Wille der Menschen intuitiv so bestimmt wird, daß der Götterwillen ganz selbstverständlich zu befolgen ist. Diese Bewußtseinsformen ändern sich erst mit dem Beginn des Zerfalls der Zeit des Mythos.

Nach diesen Überlegungen zu den Grundstrukturen im mythischen Bewusstsein der Menschen und in den Gehirnen von höher entwickelten Tieren lässt sich die These vertreten, daß in den Gehirnen und neuronalen Verschaltungsstrukturen bei höher entwickelten Tieren wie Füchsen und Gänsen bereits gewisse biologisch bedingte Vorformen der mythischen Menschen erkennbar sind, so dass es nun beinahe fraglich erscheint, ob sich von einer kulturellen Phylogenese der menschlichen Gehirne überhaupt sprechen lässt, oder ob nicht eher die biologische Phylogenese dafür verantwortlich ist?

Nun lässt sich aber auch dafür argumentieren, daß die ursprüngliche mythische Phase der Menschheits-entwicklung eine von Menschen geschaffene Kultur hervorgebracht hat, die sich nicht mehr nur als reines Naturprodukt begreifen läßt. Und ferner gilt auch, daß das Bewusstsein mythischer Menschen ganz anders geartet ist als die Bewusstseinsformen von Menschen späterer Kulturen, so dass wir doch nach der Entwicklung einer kulturellen Phylogenese der menschlichen Gehirne zu fragen haben.

5. Zu Bedingungen der Erforschung der kulturellen Phylogenese des Menschengehirns

Die vorausgegangenen Untersuchungen zeigen, daß die Menschen nicht nur in ihrer physiologischen Konstitution aus dem Tierreich hervorgegangen sind, sondern daß sogar die erste kulturelle Stufe der Menschheitsgeschichte, die mythische Kultur, weitgehend von Gehirn- und Bewusstseinsstrukturen geprägt ist, deren Anfänge bereits im Tierreich nachzuweisen sind. Schon in dieser Bemerkung zeigt sich eine emanzipatorische Bewusstseinsform heutiger Menschen an, die sich ganz bewusst von den hochmütigen Bewußtseinsformen in der Menschheitsgeschichte absetzen, in denen sich die Menschen in angeblich gottgewollter Weise (laut 1.Buch Moses: „Macht Euch die Erde untertan!“) als absolute Herrscher über die Natur und insbesondere über die Tierwelt aufspielten, was bis heute inhumane Formen grausamster Tierquälerei in der industriellen Massentierhaltung und in den Lebend-Tier-Transporten zur Folge hat – und was auch die Qualität unserer Ernährung in hohem Grad gefährdet, wie die Lebensmittelskandale der jüngsten Zeit gezeigt haben. Seien wir uns nun ruhig klar darüber, daß unsere Gehirnstrukturen uns Menschen noch sehr verwandter mit den Tieren erscheinen lassen, als wir es bisher geglaubt haben.

Das typisch Menschliche als Kulturwesen tritt wohl erst in deutliche Erscheinung, wenn die Menschen sich von der mythischen Kultur zu lösen beginnen. Die bekannteste Geschichte dazu findet sich in der Genesis, dem 1. Buch Mose, als die zweite Schöpfungsgeschichte von der Erschaffung der Menschen, ihr Leben im Garten Eden und ihrer Vertreibung daraus, nachdem sie von der Schlange verführt worden waren, Früchte von dem verbotenen Baum der Erkenntnis zu essen. Ganz offensichtlich ist dies eine Erzählung vom Zerfall des Mythos, wenn man bedenkt, daß Moses derjenige war, der das jüdische Volk aus der ägyptischen Gefangenschaft herausgeführt hat und daß die Schlange, die sich in den Schwanz beißt, in Ägypten das heilige Symbol der zyklischen Zeit war, wovon es noch Darstellungen gibt, die möglicherweise aus späterer Zeit stammen, die aber diese Heiligkeit deutlich machen, indem die Schlange, einen Kreis formierend, sich in den Schwanz beißt und drum herum die Tierkreiszeichen angeordnet sind. Das Zeichen für den Zerfall der mythischen Naturauffassung ist in Ägypten und darum auch für Moses die Schlange, die sich nicht mehr in den Schwanz beißt. Weil aber mit dem Aufbrechen des zyklischen Zeitbewußtseins die Vergangenheit in der Zukunft nicht wiederkehrt, stehen die Menschen nun einer ungewissen Zukunft gegenüber, und da sie damit die paradiesische Geborgenheit verloren haben, müssen sie nun in der Lage sein, das Lebensfreundliche vom Lebensfeindlichen, das Gute vom Bösen unterscheiden zu können. Darum hat die Schlange, die ihr Maul geöffnet und damit das zyklische Zeitbewußtsein zerstört hat, nun sogar die Pflicht, Eva davon zu überzeugen, daß sie und Adam nun vom Baum der Erkenntnis zu essen haben, um künftig überleben zu können. Damit wird in eindringlicher Weise schon in der Genesis der Anfang der kulturellen Entwicklung markiert. Daß diese mythologische Darstellung des beginnenden Zerfalls des Mythos als Sündenfall bezeichnet wird, findet seine Erklärung darin, daß die Vorstellung einer Sünde im Mythischen in einer Mißachtung von etwas Heiligem bestand, entweder daß einem Götterwillen nicht Folge geleistet, ein heiliger Bereich einer Gottheit entehrt oder auch die heilige zyklische Zeitstruktur verletzt wurde.16 Daß dieser Vorgang später von den christlichen Evangelisten als Erbsünde verstanden wurde, von der Christus die Menschheit durch seinen Kreuzestod zu befreien hatte, ist eine unheilvolle Zutat der Apologeten des Christentums, die sich aus der neuen Mythosforschung nicht mehr rechtfertigen läßt, da mit ihr der allmähliche Verlust mythischer Bewußtseinsformen als eine historisch notwendige kulturgeschichtliche Entwicklung der Menschheit angesehen wird.17

Wie aber konnte es dazu kommen, daß sich bei den Menschen die Gehirnstrukturen, die das zyklische Zeitbewusstsein hervorbrachten, geändert haben? Dazu sei an die Einsicht erinnert, dass das Gehirn unser Sicherheitsorgan ist und unsere Bewusstseinsstrukturen so ausbildet, daß wir mit unserem Bewusstsein unsere Überlebensproblematik optimal lösen können. Darum wird es so gewesen sein, daß die Gehirne der Menschen in agrarischen Kultur-Epochen bemerkten, dass es Dürrejahre gibt, die lebensbedrohend und darum anders sind als die Jahre reichlicher Ernten. Darum war es aus Existenzerhaltungsgründen in den agrarischen Kultur-Epochen notwendig, daß die Gehirne eine andere neuronale Verschaltungsstruktur der Sinnesorgane und der mit ihnen verbundenen Gedächtnisfunk-tionen und damit die Bewußtseinsstruktur mit einem offenen Zeitbewußtsein hervorbrachten, wie wir es noch heute besitzen. Dies aber war der Beginn der kulturellen Phylogenese der menschlichen Gehirne. Damit verbunden ist nun die Fähigkeit, Einzelnes von Allgemeinem zu unterscheiden; denn wenn die zeitlichen Ereignisse nicht wiederkehren, dann sind sie einmalig und damit einzelne, singuläre Ereignisse, die sich nicht wiederholen. Sie werden aber in die Folge der Ereignisse, die sogenannte Zeitreihe eingeordnet, welches eine besondere Gedächtnisfunktion ist, die mit dem offenen Zeitbewußtsein verbunden ist. Diese Einordnung der einzelnen Ereignisse macht die Zeitreihe zum Allgemeinen der einzelnen Ereignisse, und damit ist durch das offene Zeitbewußtsein die Unterschei-dung von Einzelnem und Allgemeinem gegeben, welches die Voraussetzung für begriffliches Denken und die Fähigkeit für Erkenntnisse ist, da die allgemeine Form von Erkenntnissen ja gerade aus einer stabilen Zuordnung von etwas Einzelnem zu etwas Allgemeinem besteht. Zu erforschen durch welche Formen neuronaler Verschaltungen diese Bewußtseinsformen in unseren Gehirnen realisiert werden, ist Aufgabe der Gehirnphysiologen. Wir Philosophen können lediglich die Gehirnleistungen bestimmen, die mit einem offenen Zeitbewußtsein notwendig verbunden sind.

Nun sind Erkenntnisse stets stabile Zuordnungen von Einzelnem und Allgemeinem. Was aber heißt hier stabil? Stabile Zuordnungen sind solche, die im Laufe der Zeit nicht geändert werden müssen; denn Erkenntnisse sollen verlässlich sein, so daß sich Einsichten über die Lebensfreundlichkeit von Gegen-ständen, Ereignissen oder Handlungen immer wieder einsetzen lassen, um das Überleben zu sichern. Nun fragt sich, ob es in den Gehirnen nicht auch gewisse Einstellungen geben könnte, durch die bestimmte Formen von Zuordnungen von Einzelnem zu Allgemeinem als verlässlich angesehen werden, so daß durch sie die Stabilität dieser Zuordnungen schon gewährleistet ist?

Die Zuordnungen zwischen etwas Einzelnem und etwas Allgemeinem finden in den Menschen stets in Form von Erlebnissen statt, da mit Erlebnissen immer eine Gegenwartsstruktur verbunden ist, was auch in bestimmten Verschaltungsstrukturen des Gehirns realisiert sein sollte. Für die Erlebnisse, durch die ein Zusammenhang von etwas Einzelnem und etwas Allgemeinem gespürt wird, gibt es bereits den Begriff der Zusammenhangserlebnisse, die stets die Eigenschaft haben, die Gefühlslage positiv zu verändern, wodurch der Antrieb entsteht, die Zusammenhangserlebnisse zu reproduzieren, der darum auch als Erkenntnistrieb bezeichnet werden kann; denn stabile Zusammenhangserlebnisse lassen sich als Erkenntnisse identifizieren.18 Die positive Gefühlsänderung durch Zusammenhangserlebnisse ist sicher eine evolutionär begreifbare Leistung des Gehirns, die Wahrnehmungen von Zusammenhängen mit der Einspeisung von Glückshormonen zu belohnen, da alle Lebewesen ihr Überleben nur über Zusammenhänge sichern können, nicht aber durch Isolationen bzw. Isolationserlebnisse.19

Grundsätzlich gibt es zwei entgegengesetzte Möglichkeiten von verlässlichen Zusammenhangs-strukturen, die Zusammenhänge der Außenwelt oder die der Innenwelt. Neuronale Gehirnverschal-tungen, welche so eingestellt sind, Außenweltzusammenhänge zu präferieren, führen zu sogenannten Außensteuerungen und solche Bewusstseinsstrukturen, für die Innenweltzusammenhänge bedeutsamer sind, auf Innensteuerungen. Die Kulturgeschichte der Menschheit beginnt mit der Ausprägung von Unterwürfigkeitsbewusstseinsformen, die auf Außensteuerungen angelegt sind. Dies ist insofern nicht verwunderlich, da einerseits alle mythischen Menschen ein Folgsamkeitsbewußtsein besitzen und unsere Sinnesorgane mehr auf die Wahrnehmung von äußeren Reizen eingestellt sind als auf die Wahrnehmung der eigenen Innenwelt, so daß mit dem Beginn des Zerfalls des mythischen Bewußtseins sich zuerst eine außengesteuerte Bewusstseinsform ausbildet. Auch dies ist wiederum als eine Sicher-heitsleistung des Gehirns zu verstehen, da das Folgsamkeitsbewußtsein in der Zeit des Mythos eine autoritative Lebenshaltung für die Grundlage der Gemeinschaftsformen ausgebildet hatte, so daß das Überleben nur durch Folgsamkeit der äußeren Macht gegenüber gesichert werden konnte20.

Dies alles läßt sich besonders deutlich an den Bewusstseinsformen des Volkes Israel studieren, wie sie im Alten Testament nachgezeichnet sind. Da lassen sich die Menschen in ihrem Verhalten durch Gebote steuern, die von außen an sie herangetragen werden, weil sie sogar von ihrem Stammesgott Jahve über seinen Propheten Moses verkündet worden sind. Und diese Außensteuerung gewinnt eine so große Mächtigkeit über die Menschen, daß sich der Stammesgott Jahve, der zuerst lediglich ein monolatri-scher Gott ist, zum monotheistischen Gott entwickelt, was ebenfalls im Alten Testament nacherzählt wird. Dabei verändert sich das ursprüngliche neutrale Folgsamkeitsbewußtsein in ein Unterwürfigkeitsbewußtsein, wie es sich besonders deutlich in den alttestamentarischen Klageliedern des Jeremias manifestiert. Diese im Volk Israel im Laufe seiner Geschichte ausgebildete Bewusstseinsform der außengesteuerten Unterwürfigkeit hat sich dann im Christentum und im Islam bis heute fortgesetzt, allerdings heute mit stark abnehmender Tendenz.

Diese von den Gehirnen hervorgebrachten Bewußtseinsformen der Außensteuerung lassen sich auch als Orientierungswege verstehen, durch die sich die Menschen nach dem Beginn des Zerfalls der mythischen Bewußtseinsformen durch den Verlust des zyklischen Zeitbewusstseins eine Orientierungs-möglichkeit verschaffen, um ihre Überlebensmöglichkeiten zu sichern. Dieser Orientierungsweg, der bisher als israelitisch-christlicher Orientierungsweg21 bezeichnet wird, steht im direkten Gegensatz zum Orientierungsweg der griechischen Antike, mit dem die Philosophen der sogenannten vorsokratischen Zeit darauf setzten, daß der Mensch in sich selbst orientierende Fähigkeiten besitzt und darum die Erkenntnisvermögen des Verstandes (logos) und der Vernunft (nous) entfaltet hat, die auch als Erkenntnisvermögen der Innensteuerung bezeichnet werden können. Die innengesteuerte Bewusstseins-form des Orientierungsweges der griechischen Antike ist nun freilich auch eine Entwicklungsleistung der Gehirne der alten Griechen, und die ebenfalls aufgrund der existenzsichernden Funktion dieser Gehirne erklärbar sein sollte. Die Erklärung dafür fällt gewiss nicht ganz so leicht, wie die hier gegebene Erklärung für die Gehirnleistung der außengesteuerten Bewusstseinsformen. Nun fällt auf, daß der erste Philosoph, Thales von Milet zugleich ein guter Mathematiker war, der bereits in der Lage war, mathematische Sätze aufzustellen und zu beweisen. Nun besteht die Mathematik aus Vereinbarungen, die strikt einzuhalten sind, und wenn man das tut, dann schafft dies offenbar eine solche Sicherheit in den eigenen Gedankengängen, daß es sogar gelingen kann, für ungewisse Behauptungen strikte Beweise zu finden, und das heißt, Sicherheit ins eigene Denken zu tragen, eine Sicherheit, die nicht von außen kommt, sondern von innen, durch eigene Einsicht. Es mag sein, daß die Tatsache, daß die Griechen ein Volk waren und noch immer sind, das in viele einzelne kleine und nahezu isolierte Volksgruppen aufgeteilt ist, weil sie auf vielen Inseln verteilt wohnen und auf dem Festland durch schroffe Gebirge getrennt sind, dazu führte, den Zusammenhalt des Volkes durch möglichst exakt kommunizierbare Gedanken zu bewirken, so wie dies in der Mathematik und Philosophie möglich ist. Und damit wäre ein äußerer Grund für eine Gehirnentwicklung zur Bevor-zugung der Innensteuerung im antiken Griechenland gegeben. Denn die Gehirne der antiken Griechen könnten ihrer Funktion als Sicherheitsorgane folgend, zur Sicherung der Überlebenschancen der griechischen Lebensgemeinschaft eine innengesteuerte Bewusstseinsform entwickelt haben.22

Durch die Christianisierung im römischen Reich ist der innengesteuerte Orientierungsweg der griechischen Antike in Europa anfänglich ganz außer Tritt gekommen. Durch Mithilfe der islamischen militärischen Erfolge konnte er aber zum Ende des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit als Renaissance mächtig Fuß fassen und schließlich die europäische kulturgeschichtliche Aufklärungs-bewegung initiieren, wodurch sich ganz spezifische Veränderungen der Bewußtseinsformen der europäischen Menschen ereigneten, die zu mehr Toleranz gegenüber anderen Bewußtseinsformen tendierten, wodurch auch die von den Offenbarungsreligionen geprägten Bewußtseinsformen der Außensteuerung auch Innensteuerungen in sich zuließen.

Der bisherige Versuch nachzuweisen, daß die menschlichen Kulturen mit der Ausbildung von ganz bestimmten Gehirnstrukturen und damit auch von Bewusstseinsformen verbunden sein muss, ist bislang ziemlich intuitiv ohne eine systematische Untersuchungsmethode erfolgt. Dies ist nun erheblich zu verbessern, um deutlich aufzuzeigen, daß die systematische Darstellung von Bewusstseinsstrukturen einen Zusammenhang zu gehirnphysiologischen Untersuchungen liefern kann. Auf diesem Wege einer systematischen Ordnung der möglichen Bewußtseinsformen ist es denkbar, eine theoretische Wissen-schaft für die Gehirnphysiologie zu etablieren, wie es einst Kant für jede Naturwissenschaft gefordert hat. Denn eine theoretische Wissenschaft soll den Möglichkeitsraum des Denkbaren aufspannen, aus dem die zugehörige experimentelle Wissenschaft herauszufinden hat, was von dem Denkbaren (das war für Kant das Mathematische) in der Realität tatsächlich anzutreffen ist.23

6. Zum Aufbau einer theoretischen Gehirnphysiologie aufgrund der von Kurt Hübner entwickelten Mythosforschung

Der Aufbau einer theoretischen Wissenschaft beginnt mit dem Abstecken des zu erforschenden Objektbereichs, der Angabe der Kennzeichnungsverfahren der darin enthaltenen Objekte und der Sammlung der alltagsprachlich erfassbaren Erfahrungen über die Eigenschaften der kennzeichnungs-fähigen Objekte. Danach ist der Raum der möglichen Verbindungen zwischen den gekennzeichneten Objekten und den denkbaren Wirkungen der Objekte aufeinander abzustecken und mögliche Gesetze über Eigenschaftsänderungen der Objekte zu formulieren.

Der Objektbereich der Gehirnphysiologie ist abgesteckt durch das Objekt des Gehirns, seine Bestandteile, die Nervenzellen und ihre bestimmbaren Eigenschaften. Zu den zu untersuchenden Objekten gehören außerdem die beobachtbaren Zustände einer Person, von denen anzunehmen ist, daß sie durch das Gehirn bestimmt sind und die beobachtbaren Handlungen, die stets von den Gehirnen geplant und in ihrer Durchführung gesteuert werden. Da wir hier einstweilen nur an der physiologischen Indentifizierbarkeit und damit der Verstehbarkeit der Bewußtseinsformen von Menschen interessiert sind, soll die Physiologie der einzelnen Nervenzellen nur insoweit in Betracht gezogen werden, als durch sie ihre Verschaltungseigenschaften bestimmbar sind. Denn es geht hier um die mögliche Erforschbarkeit von Verschaltungsstrukturen der Neuronen. Und die zu erklärenden Objekte sind bestimmte beobachtbare und identifizierbare Bewußtseinszustände und deren Konsequenzen in Form von Handlungen. Der Anfang der hier herauszuarbeitenden theoretischen Wissenschaft liegt damit in der Analyse der Objekte, die hier als Bewußtseinszustände bezeichnet werden. Nach Kant besteht die theoretische Wissenschaft, die er mit der Mathematik identifiziert, aus Konstruktionen aufgrund apriorischer Prinzipien. Dazu haben wir hier bereits die apriorische Konstruktion des Begriffes Bewußtsein geliefert, der sich aus der apriorischen Konstruktion des Begriffes ‚Lebewesen‘, der Begriffe von Überlebensfunktionen und der ihrer Verkopplungsstrukturen ableiten ließ. Ferner konnte aus der apriorischen Definition des Begriffes „Lebewesen“ bereits ein grundsätzlich gesetzmäßiges Verhalten des Gehirns und seiner Teile abgeleitet werden, das darin besteht, für das Gesamtsystem die Verschaltungen der Gehirnzellen vorzunehmen, die geeignet sind, durch eine bestimmte Bewußtseins-form, die Überlebenssicherheit des Gesamtsystems sicherzustellen oder gar zu verbessern. Um den Aufbau einer theoretischen Gehirnphysiologie voranzutreiben, muss nun nach Kant danach gefragt werden, welche empirisch bestimmbaren Bewußtseinsformen nachweisbar sind, so dass nach den Bedingungen ihrer Möglichkeit gefragt werden kann, wobei diese Bedingungen dann als apriorisch anzusehen sind, und somit das methodische Handwerkszeug für den Theoretiker liefern.

Das nun erforderliche empirische Material hat Kurt Hübner in seinen Arbeiten zur Mythosforschung in reicher Fülle zusammengestellt, so daß es an der Zeit ist, dies zu ordnen und zu klassifizieren. Dieses

Material ist vor allem in folgenden Arbeiten Kurt Hübners, in denen er seine Mythosforschung aufgebaut und im Einzelnen beschrieben hat, enthalten:

1. Kritik der wissenschaftlichen Vernunft, Alber Verlag, Freiburg 1978 und weitere Auflagen.

2. Die Wahrheit des Mythos, Verlag C.H. Beck, München 1985.

3. Das Nationale. Verdrängtes, Unvermeidliches, Erstrebenwertes. Styria Verlag, Graz 1991

4. Die zweite Schöpfung. Das Wirkliche in Kunst und Musik, Verlag C.H. Beck, München 1994

Die späteren Monographien Kurt Hübners bestehen im Wesentlichen aus Anwendungen der in den genannten vier Werken entwickelten Grundsätze der Hübnerschen Mythos-Forschung. Aber außerdem hat er eine ganze Reihe von einzelnen Vorträgen und Aufsätzen aus den Jahren, in denen er seine Mythos-Forschungs-Theorie entwickelte, veröffentlicht, in denen wichtiges Material zur Beschreibung der Bewusstseinszustände von mythischen Menschen und aller anderen Menschen zu finden ist, deren Bewusstsein grundsätzlich stets von mythischen Formen bestimmt sein wird. Dies gilt insbesondere auch noch für seinen Briefwechsel aus dieser Zeit, den er vor allem mit Paul Feyerabend geführt hat.

Wichtigste Aufsätze und Vorträge aus dieser Zeit seien im Folgenden genannt:

1. Zur Frage des Relativismus und des Fortschritts in den Wissenschaften, in: Zeitschrift für allgemeine Wissenschaftstheorie, Bd. V, Heft 2, 1974, S. 285 – 303.

2. Erfahrung und Wirklichkeit im griechischen Mythos, in: Hellenic Society for Humanistic Studies (Hg.): Proceedings of the 3rd International Humanistic Symposium at Athens and Pelion, September 24 – October 2 1975, Topic: „The Case of Objectivity“, Athens 1977, pp. 167 – 183 und Diskussion pp. 184 – 204.

3. Die Finalisierung der Wissenschaft als allgemeiner Parole und was sich dahinter verbirgt, in: Hübner, K. Lobkowicz, N., Radnitzky, G. (Hrsg.) Die politische Herausforderung der Wissenschaft, Hoffmann und Campe, Hamburg 1976, S. 89 – 96.

4. Über verschiedene Zeitbegriffe in Alltag, Physik und Mythos, in: Korff, W. F. (Hrsg.), Redliches Denken, Stuttgart 1981.

5. Wie irrational sind Mythen und Götter?, in Duerr, H.P. (Hg.), Der Wissenschaftler und das Irrationale, Bd. 2: Philosophie und Psychologie, Frankfurt/Main 1981, S. 11 – 36

6. Von den mythischen und magischen Ursprüngen in den Naturwissenschaften, in: Hameyer, U., und Kapune, Th., (Hrsg.), Weltall und Weltbild, Kiel 1983.

7. Der Begriff des Naturgesetzes in der Antike und in der Renaissance, in: Buck, A., Heitmann, K. (Hrsg.), Die Antike-Rezeption in den Wissenschaften während der Renaissance, Mitteilung X der DFG-Kommission für Humanismusforschung, Weinheim 1983.

8. Warum gibt es ein wissenschaftliches Zeitalter? Joachim-Jungius-Gesellschaft, Hamburg 1984.

9. Über die Beziehungen und Unterschiede von Mythos, Mythologie und Kunst in der Antike, in: Studien zur Mythologie der Vasenmalerei, Festschrift für Konrad Schauenburg, Mainz 1986.

10.Die nicht endende Geschichte des Mythischen, in: Scheidewege (1986/87), S. 16 – 29 und etwas verkürzt in: Barner, W., Detken, A. und Wesche J. (Hg.), Texte zur modernen Mythentheorie, Reclam, Stuttgart 2003 S.248 – 261.

11.Der Mythos, der Logos und das spezifisch Religiöse, in: Schmid, H. H. (Hrsg.), Mythos und Rationalität, Gütersloh 1988.

12.Die Metaphysik und der Baum der Erkenntnis, in: Henrich /Horstmann (Hrsg.), Metaphysik nach Kant?, Stuttgart 1988.

7. Die Fortführung des Aufbaus einer theoretischen Gehirnphysiologie zur Beschreibung der kulturellen Phylogenese des Gehirns aufgrund der von Hübner und anderen aufgezeigten Bewußtseinsformen bis in die Neuzeit hinein

Im vorigen Absatz ist ganz bewußt der Aufbau einer theoretischen Wissenschaft beschrieben worden, wie er sich aus dem Erkenntnisweg Kants ergibt, der sich als transzendentaler Erkenntnisweg identifizieren läßt, indem von tatsächlich gemachten Erfahrungen ausgegangen wird und nach den Bedingungen der Möglichkeit dieser Erfahrungen gefragt wird, so wie es Kant uns in seinem gesamten Werk vorgeführt hat.24 Und dabei fällt nun folgender Zirkularitätsverdacht auf: „Wenn wir heute meinen, den Erkenntnisweg Kants weiter fortführen zu können, dann erscheint uns dies vernünftig, weil wir selbst eine Bewusstseinsstruktur besitzen, durch die uns dies so erscheint. Allerdings kennen wir diese Bewusstseinsstruktur nicht. Dennoch muss es so sein, weil wir nur das denken können, was uns unsere Bewusstseinsstruktur erlaubt.“ Diese Art der Denkformen-Zirkularität ist Kant bereits deutlich aufgefallen, indem er die Grenzen seines Denkens durch das Aufzeigen der apriorischen Sinnlichkeits- und Verstandesformen absteckte, da er sich im klaren darüber war, daß alle Erfahrungen, die er macht, schon immer von diesen apriorischen Denkformen geprägt sind. Und das gilt natürlich auch immer für die apriorischen Denkformen selbst, die er mit seinen Denkformen in der KrV aufgezeigt hat. Der Versuch, die Unsicherheit, die mit dieser Entdeckung notwendig verbunden ist, zu überwinden, hat ihn auf zwei Prinzipien geführt, die er sein Leben lang eingehalten hat:

1. das Prinzip der Wahrhaftigkeit und

2. das Prinzip der Widerspruchsvermeidung.

Und wir haben bis heute weitgehend den Eindruck, daß es Kant mit Hilfe dieser beiden Prinzipien gelungen ist, ein stabiles erkenntnistheoretisches System aufzubauen, das immer noch vorbildhaft ist.

Auch hier ist es Kurt Hübner gewesen, der mit seinem Prinzip der grundsätzlich geschichtlichen Bedingtheit unseres Denkens den Weg zu einer weiterreichenden Kant-Interpretation geführt hat, durch die sich zeigte, daß der soeben erwähnte Erkenntnisweg Kants in seinem Werk auffindbar ist und der noch heute zu bestimmten Lösungen von Problemen führt, die durch das Auftreten von unerklärlichen Widersprüchen erfolgreich beschritten werden kann. Kant selbst war in derartige Problemlösungs-schwierigkeiten bei seiner Ausarbeitung seiner Kritik der Urteilskraft geraten, wobei man heute eine leichte Titel-Veränderung vornehmen darf, indem wir zur besseren Verstehbarkeit seines philosophischen Werkes schreiben: Kants Kritik seiner Urteilskraft, so wie wir seine anderen Kritiken als Kants Kritik seiner reinen Vernunft oder Kants Kritik seiner praktischen Vernunft zu verstehen haben. Die Möglichkeit zu dieser kleinen aber sehr bedeutsamen Umformung des Kantischen Werkes durch seine Selbstbezüglichkeit ist besonders Hübners Verdienst, nachgewiesen zu haben, daß die apriorischen Formen Kants als historisch bedingte Formen zu verstehen sind und nicht als unbedingte Formen, wie Kant es glaubte.

Aufgrund seines Wahrhaftigkeitsprinzips machen wir mit dieser kleinen Umdeutung gewiss keinen Fehler. Eigenwilligerweise aber machte Kant selbst mit seinem Unbedingtheitsanspruch seiner apriorischen Formen einen Fehler, den er selbst sehr zu spüren bekam, ohne ihn freilich kennen zu können, indem er wie selbstverständlich annahm, daß alle seine Leser die gleiche Sinnlichkeit, den gleichen Verstand, die gleiche Vernunft und die gleiche Urteilskraft wie er besäßen, was heute jedenfalls gewiss nicht mehr anzunehmen ist. Aber dieser Fehler reicht noch weiter: er trifft auf Kant selbst zu, weil er selbst eine Geschichtlichkeit besessen hat, d.h. auch sein Denken veränderte sich im Laufe seiner Lebenszeit, so daß sein Begriff von Urteilskraft sich in den beiden Kritiken vor der KdU, verglichen mit dem Begriff der Urteilskraft in der KdU veränderte. Darum mußte er zwei Vorworte zu seiner KdU schreiben, die zu dem am schwersten Verständlichen seines ganzen Werks gehören. Um seine Schwierigkeiten nur anzudeuten: In den vorausgegangenen Kritiken sind es nur der Verstand und die Vernunft, die ihre besonderen Gebiete besitzen, auf denen sie mit ihren Begriffsbildungen gebieten können. In der KdU wird nun deutlich, daß es aber auch Begriffe der Urteilskraft geben muß, damit sie überhaupt wirksam werden kann. Kant erfindet darum das Gebiet der Urteilskraft als das der Selbstanwendung, was freilich nicht so ganz leicht verständlich ist.

Bis heute wird Kants Erkenntnistheorie so begriffen, als ob er damit Recht gehabt hätte, seine Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrungen, seine von ihm als transzendental bezeichneten apriorischen Formen für unbedingt zu halten. Und dies war sein Fehler, den er selbst nicht erkennen konnte, weil ihm die grundsätzliche historische Abhängigkeit auch seiner von ihm aufgestellten apriorischen Formen aufgrund seiner eigenen historischen Situation noch gar nicht in den Sinn kommen konnte, weil seine Bewusstseinsform dazu noch nicht ausgebildet war.25 Aber dieser Fehler verrät uns eine bestimmte Bewusstseinsform Kants, die vermutlich die meisten seiner Zeitgenossen noch nicht hatten, warum sie ihn auch nicht verstehen konnten und die nun auch zu dem empirischen Material gehört, das die Theoretiker der Gehirnphysiologie zu verarbeiten haben.

Gemäß dieser Überlegungen bietet die Geschichte der herausragenden Persönlichkeiten der Geistes-geschichte ein bislang von der Gehirnphysiologie wohl kaum erkanntes und erschlossenes Reservoir an empirischen Fakten über die kulturelle Phylogenese des menschlichen Gehirns dar. Dazu mögen aus der Sicht unserer Gewordenheit das Studium der Bewusstseinsformen der Persönlichkeiten folgender Liste besonders ertragreich sein: Sokrates, Platon, Aristoteles, Roger Bacon, Thomas von Aquin, Nikolaus Kopernikus, Martin Luther, Giordano Bruno, Francis Bacon, Galileo Galilei, Johannes Kepler, Renè Descartes, John Locke, Isaac Newton, Gottfried Wilhelm Leibniz, Johann Sebastian Bach, George Berkeley, Emanuel Swedenborg, David Hume, Immanuel Kant, Johann Wolfgang von Goethe, Wolfgang Amadeus Mozart, Friedrich von Schiller, Johann Gottlieb Fichte, Ludwig van Beethoven, Schopenhauer, Charles Darwin, Karl Marx, Ernst Mach, Max Planck, Albert Einstein, Niels Bohr, Hermann Weyl, Erwin Schrödinger, Wolfgang Pauli, Werner Heisenberg, Eugene Wigner, John Archibald Wheeler und viele mehr. Die Gehirne aller dieser Persönlichkeiten haben Ihre besonderen Bewußtseinsformen sicher nicht isoliert von ihrem sozialem, wissenschaftlichem oder künstlerischem Umgang ausgebildet, so daß spätestens an dieser Stelle deutlich wird, daß die hier dargestellte Argumentation sogar die Voraussetzung für eine gelingende Wissenschaft der Soziologie oder der Kulturanthropologie ist, was freilich noch nicht so ausgedrückt wurde aber dennoch gültig ist. Deutliche Hinweise darauf finden sich z.B. in den Werken von Karl Acham, Alexander Alland oder auch Niklas Luhmann26.

Auf welche Weise läßt sich nun vom Standpunkt einer theoretischen Gehirnphysiologie das nahezu unerschöpflich erscheinende Material über Bewusstseinsstrukturen aus dem vorliegenden Werk von Persönlichkeiten der menschlichen Geistesgeschichte und den soziologischen Befunden der ganzen Kulturgeschichte so aufbereiten, daß sich daraus Entwicklungsformen des menschlichen Bewusstseins erschließen lassen? Gänzlich unbestritten dürfte es sein, daß bestimmte Bedingungen der Möglichkeit für das Erarbeiten und das schriftliche Niederlegen der überlieferten Werke in den Bewusstseinsformen der Autoren vorliegen müssen und dass der Möglichkeitsraum für diese Bewußtseinsformen von einer theoretischen Gehirnphysiologie beschrieben werden können sollte.

Als allgemeine Leitlinie kann die Funktion des Gehirns dienen, aus evolutionären Gründen gewisse Optimierungsmöglichkeiten für die Überlebenssicherung der Lebewesen herauszufinden, und das heißt für die Menschen in einer kulturell bestimmten Lebenssituation eine optimale Bewußtseinsstruktur zu wählen, wobei stets die Unterscheidung zwischen der Sicherung der äußeren und der inneren Existenz zu machen ist. Und da die Kulturgeschichte zugleich die Geschichte der Entwicklung der allgemeinen menschlichen Bewusstseinsformen sein muß, ist diese Geschichte direkt mit der kulturellen Phylogenese der menschlichen Gehirne verbunden, die sich insbesondere in den Kulturträgern vollzogen haben muss, die in der obigen Liste aufgezählt worden ist. So ungeheuer das Ansinnen an eine theoretische Gehirnphysiologie auf den ersten Blick erscheinen mag, die Erforschbarkeit der kulturellen Phylogenese des Gehirns zu ermöglichen, so liefern uns doch die Hübnerschen Analysen der Bewußtseinsstrukturen mythischer Menschen, wie er sie vor allem im letzten Kapitel seines wissenschaftstheoretischen Hauptwerkes „Kritik der wissenschaftlichen Vernunft“ aus dem Jahre 1978 und in seinem Werk „Die Wahrheit des Mythos“ aus dem Jahre 1885 beschrieben hat, gewisse Handreichungen und erste Anhaltspunkte zur Erforschung der kulturellen Phylogenese des Gehirns.

Das erste, was wir von Hübner lernen, ist die Ganzheitlichkeit aller in den schriftlichen Quellen beschriebenen Ereignisse und des dabei offenkundig werdenden Wirklichkeitsverständnisses der mythischen Menschen. Bei der Hervorhebung und Beschreibung dieser Ganzheitlichkeit werden freilich Vorstellungen aus späterer Zeit benutzt, weil die Gliederungen und Aufteilungen, die eine Ganzheit charakterisieren, im mythischen Bewußtsein gar keinen Platz hatten. So waren die hier bereits erwähnten besonderen Ganzheiten in Form folgender Begriffspaare {Einzelnes, Allgemeines}, {Mögliches, Wirkliches}, {Materielles, Ideelles} oder auch {Inhaltliches, Formales}den mythischen Menschen nicht bewusst, weil diese Unterscheidungen von ihnen gar nicht vorgenommen werden konnten. Wenn sie aus mythischer Zeit stammenden Texten auftreten, dann sind dies schon Zerfallsformen von etwas ursprünglich mythisch Bestimmtem. Und da wir – wie bereits gezeigt – allen Grund haben anzunehmen, daß die Kulturleistungen stets an den Bruchstellen des Mythischen auftreten, haben wir damit bereits ein erstes Kriterium zur Klassifizierung von Bewußtseinsformen gewonnen. Dabei fällt zugleich auf, dass dieser Zerfallsprozess immer mit Begriffspaaren oder mehr-elementigen ganzheitlichen Begriffssystemen27 zu beschreiben ist. Dies liegt daran, daß das Zerfallene im Nachhinein stets als ein Ganzes gesehen wird, so dass die Beschreibung des Zerfallenen nur mit ganzheitlichen Begriffssystemen erfolgen kann. Es ist nun von wissenschaftstheoretischer Seite zu hoffen, daß die Gehirnphysiologen bereits wissen, wie ganzheitliche Begriffssysteme oder auch Begriffspaare durch bestimmte neuronale Verschaltungen repräsentiert werden. Hoffentlich ist es aber nicht zu naiv zu glauben, daß sich eine derartige gehirnphysiologische Repräsentation überhaupt nachweisen lässt; denn natürlich muss sich eine theoretische Gehirnphysiologie danach ausrichten, welche Möglichkeiten für hirnphysiologische Gegebenheiten überhaupt nachweisbar und mithin erforschbar sind. Um hier in der Ausbildung einer theoretischen Gehirnphysiologie voranzukommen, bedarf es einer sehr intensiven interdisziplinären Zusammenarbeit.

Das Entsprechende gilt für die Unterscheidung der Modi der Zeit in Gegenwärtiges, Vergangenes und Zukünftiges, was Hübner ebenfalls detailliert beschreibt. Zukunft und Vergangenheit bilden ein Begriffspaar, ein einfachstes ganzheitliches Begriffssystem, das mit dem Zerfall des zyklischen Zeit-Bewußtseins ebenfalls zerfällt, wodurch – wie bereits angedeutet – die Erkenntnisproblematik aufbricht. Die allmähliche Bewältigung der Erkenntnisproblematik vollzieht sich in der griechischen Antike mit den sogenannten Vorsokratikern, die sich ja auf dem schon angedeuteten Orientierungsweg der griechischen Antike befinden, indem sie allmählich die Erkenntnisvermögen Verstand (logos) und Vernunft (nous) entwickeln.28 Und dies geschieht stets mit dem Aufbau ganzheitlicher Denkstrukturen und die Zurückführung dieser auf einheitliche Vorstellungen. Genau diese Entwicklung vollzieht sich bei den Vorsokratikern. Die Ausbildung von Verstand und Vernunft, eröffnet ihnen neue Möglichkeitsräume, deren Verwirklichung aber nicht sicher hinsichtlich ihrer Lebensfreundlichkeit ist. Darum benutzen sie ein Sicherungsverfahren, das später von Cicero als Rückbindung (religio als Substantivierung von relegere) bezeichnet wird, und das heute in der modernsten Wissenschaftstheorie zur Charakterisierung von Begründungsendpunkten ebenso wieder aktuell geworden ist.

Diese Rückbindung besteht darin, auf bewährte alte mythische Formen und Inhalte zurückzugreifen, von denen man sich die gewünschte Sicherheit versprach. So hat schon Thales von Milet seine Vorstellung vom Urstoff des Wassers auf die mythischen Überzeugungen in Hesiods Theogonie zurückgeführt, Heraklit und Parmenides ihre Ableitungen der Vernunfttätigkeit auf mythische Einheitsvorstellungen oder Xenophanes in einer Vorahnung der pantheistischen Identifizierung von Gott und Welt auf das göttliche All-Eine, usf. Sokrates gelingt seine Rückbindung auf seinem Weg der Selbsterkenntnis. Dieser Innensteuerung kann Platon noch nicht folgen, darum bindet er sich wiederum an mythische Formen ewiger Ideen zurück, die empirisch nicht nachweisbar sind, sondern im Raum der Vernunft (nous) existierend gedacht werden. Aristoteles schafft schließlich ein ganzheitliches Weltmodell, indem jedes Wesen über seine ihm eigene Entelechie durch Innensteuerung Geborgenheit erfährt. Auch die weiter genannten Kultur-Entwickler haben ihre spezifischen noch zu beschreibenden Sicherheitsformen entwickelt, durch die die kulturelle Phylogenese des Gehirns bis in unsere Gegenwart weiter fortschreitet und was freilich noch zu erforschen ist. Aber auch heute ist in der Wissenschaftstheorie eine besondere Form einer mythischen Rückbindung aktuell geworden, indem wir mit Kurt Hübner die Begründungsendpunkte wissenschaftlicher Begründungen als mythogene Ideen29 bezeichnen, in denen Einzelnes und Allgemeines in einer Vorstellungseinheit zusammenfallen, wie etwa bei den Physikern die mythogenen Ideen des einen Weltraums, der einen Weltzeit oder der einen Naturgesetzlichkeit, die trotz ihrer Einheit das Allgemeinste ihrer einzelnen Raum- Zeit- oder Gesetzesvorstellungen sind. Dieses Zusammenfallen von Einzelnem und Allgemeinem ist das von Hübner gefundene und beschriebene Kennzeichen mythischer Bewusstseinsinhalte. Damit ist die harmonische Verbindung von mythischen und wissenschaftlichen Grundkonzepten gegeben, wie es Hübner im Schlußkapitel seines Werkes „Die Wahrheit des Mythos“ gewünscht hat, wo er am Ende des ersten Abschnitts sagt30:

Wenn sich also auch . . . im gegebenen Zusammenhang keine sichere Vorhersage für die Zukunft machen lässt, so darf man doch andererseits vermuten, dass die Epoche einseitiger wissenschaftlich-technischer Prägung ihren Höhepunkt bereits überschritten hat. Aber wenn vorangegangene Erfahrungen nicht gänzlich wieder vergessen werden können, so läßt sich für die Zukunft nur eine Kulturform vorstellen, in der Wissenschaft und Mythos weder einander unterdrücken noch unverbunden nebeneinander stehen, sondern in eine durch das Leben und das Denken vermittelte Beziehung zueinander treten. Wie das aber möglich sein soll, davon wissen wir heute noch nichts.“

Etwa
10 Jahre nachdem Kurt Hübner diese Sätze geschrieben hatte,
entstand unerwartet dann doch diese gewünschte Verbindung. Während
des 1. Symposions des von Kurt Hübner mitgeleiteten Zentrum
zum Studium der deutschen Philosophie und Soziologie in Moskau vom
4. bis 9. April 1995 sollte einer von uns (Wolfgang Deppert) in
Moskau einen Vortrag zum Thema „Mythische Formen in der
Wissenschaft am Beispiel der Begriffe von Zeit, Raum und Naturgesetz“
halten. Schon im Jahr 1994 bereitete er sich auf diesen Vortrag vor
und telefonierte mehrfach mit Herrn Hübner, um einen Namen für die
hier gerade beschriebenen Endpunkte wissenschaftlicher Begründungen
zu finden, bis er Herrn Deppert plötzlich anrief und vorschlug,
dafür den Namen „mythogene Idee“ vorzusehen, worauf dieser
spontan einging, womit die gesuchte Verbindung nun doch gefunden war.

Der hier vorgeschlagene Versuch, die mythische Bewußtseinsstruktur und deren vielfältige Durchbre-chungen in Form einer kulturellen Phylogenese des Gehirns neurophysiologisch zu beschreiben und dazu die kulturschaffenden Leistungen vieler bedeutender Persönlichkeiten der Kulturgeschichte zu verwenden, indem deren Bewusstseinsformen klassifiziert und gehirnphysiologisch identifiziert werden, soll nun diesen Brückenschlag so verbreitern, daß daraus ein gemeinsames Forschungsprogramm der naturwissenschaftlichen Gehirnphysiologie und der geisteswissenschaftlichen Geschichtsphilosophie wird, um eine weiterführende Einheit von Natur und Kultur erleb- oder gar erkennbar zu machen.

1 Vgl. W. Deppert, Die Evolution des Bewußtseins, in: Volker Mueller (Hg.), Charles Darwin. Zur Bedeutung des

Entwicklungsdenkens für Wissenschaft und Weltanschauung, Angelika Lenz Verlag, Neu-Isenburg 2009, S. 85-101.

2Vgl. ebenda S. 86f.

3 Vgl. W. Deppert, Problemlösung durch Versöhnung, in: www.information-philosophie.de <Vorträge>, 2009 oder im Internet-Blog >wolfgang.deppert.de< in der Rubrik „Bewußtseinsphilosophie“: Wolfgang Deppert, „Problemlösung durch Versöhnung Am 1. September 2009 meinem verehrten Lehrer Kurt Hübner zum 88. Geburtstag gewidmet –.

4Vgl. ebenda S. 9.

        1. 5Dazu gibt es einen schönen Zusammenhang zu Kants Kritik der reinen Vernunft, 2. Aufl. 1787, wo Kant seinen § 16 „Von der ursprünglich-synthetischen Einheit der Apperzeption“ wie folgt beginnt:

„Das: Ich denke, muß alle meine Vorstellungen begleiten können; denn sonst würde etwas in mir vorgestellt werden, was gar nicht gedacht werden könnte, welches eben so viel heißt, als die Vorstellung würde entweder unmöglich, oder wenigstens für mich nichts sein. Diejenige Vorstellung, die vor allem Denken gegeben sein kann, heißt Anschauung. Also hat alles Mannigfaltige der Anschauung eine notwendige Beziehung auf das: Ich denke, in demselben Subjekt, darin dieses Mannigfaltige angetroffen wird. Diese Vorstellung aber ist ein Aktus der Spontaneität, d. i. sie kann nicht als zur Sinnlichkeit gehörig angesehen werden. Ich nenne sie die reine Apperzeption, um sie von der empirischen zu unterscheiden, oder auch die ursprüngliche Apperzeption, weil sie dasjenige Selbstbewußtsein ist, was, indem es die Vorstellung Ich denke hervorbringt, die alle anderen muß begleiten können, und in allem Bewußtsein ein und dasselbe ist, von keiner weiter begleitet werden kann. Ich nenne auch die Einheit derselben die transzendentale Einheit des Selbstbewußtseins, um die Möglichkeit der Erkenntnis a priori aus ihr zu bezeichnen. Denn die mannigfaltigen Vorstellungen, die in einer gewissen Anschauung gegeben werden, würden nicht insgesamt meine Vorstellungen sein, wenn sie nicht insgesamt zu einem Selbstbewußtsein gehörten, d. i. als meine Vorstellungen (ob ich mich ihrer gleich nicht als solcher bewußt bin) müssen sie doch der Bedingung notwendig gemäß sein, unter der sie allein in einem allgemeinen Selbstbewußtsein zusammenstehen können, weil sie sonst nicht durchgängig mir angehören würden.“ Damit erweist sich I. Kant als der Vorläufer der hier vertretenen Bewußtseinstheorie, auf die noch näher einzugehen sein wird.

6Vgl. etwa Thomas Metzinger, DER EGO TUNNEL, Berliner Taschenbuch Verlags GmbH, Berlin 2010.

7Vgl. Wolf Singer, Verschaltungen legen uns fest: Wir sollten aufhören, von Freiheit zu sprechen, in: Christian Geyer (Hg.), Hirnforschung und Willensfreiheit: Zur Deutung der neuesten Experimente, Edition Suhrkamp, Frankfurt/Main 2004, S. 30.

8Vgl. Ernst Mayr, The Growth of Biological Thought, The Belknap Press of Harvard University Press, Cambridge MA, London 1982. Da behauptet er auf Seite 74: “As far as consciousness is concerned, it is impossible to define it. …At any rate, the concept of consciousness cannot even approximately be defined and therefore detailed discussion is impossible.”

9Vgl. z.B. Björn Kralemann, Umwelt, Kultur, Semantik – Realität. Eine Theorie umwelt- und kulturabhängiger semanti-scher Strukturen der Realität auf der Basis der Modellierung kognitiver Prozesse durch neuronale Netze, Bd.1 der Schriftenreihe Das Bewußtsein verstehen, hrsgg. von Wolfgang Deppert, Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2006.

10Vgl. Peter Singer, Befreiung der Tiere – eine neue Ethik zur Behandlung der Tiere, Übersetzg. d. Engl. Originals ANIMAL LIBERATION – A new Ethics for our Treatment of Animals, von: Elke vom Scheidt, F. Hirthammer Verlag, München 1982 oder Paola Cavalieri/Peter Singer (Hg.), Menschenrechte für die Großen Menschenaffen – Das Great Ape Projekt, deutsch: Hans Jürgen Baron Koskull, Goldmann Verlag, München 1994.

11Zur Struktur der mythischen Zeitgestalten und des zyklischen Zeitbewußtseins vgl. W. Deppert, Zeit. Die Begründung des Zeitbegriffs, seine notwendige Spaltung und der ganzheitliche Charakter seiner Teile, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1989, S. 131ff. und S. 205f.

12 Vgl. etwa Kant, KrV A 534, B 562 oder A546f., B 574f.

13Vgl. dazu R. A. Wever, The Circadian System of Man. Results of Experiments Under Temporal Isolation, New York/Heidelberg/Berlin 1979 oder allgemeiner: A. Sollberger, Biological Rhythm Research, Amsterdam/London/New York 1965 oder auch W. Deppert, Die Alleinherrschaft der physikalischen Zeit ist abzuschaffen, um Freiraum für neue naturwissenschaftliche Forschungen zu gewinnen, in: Hans Michael Baumgartner (Hg.), Das Rätsel der Zeit. Philosophische Analysen, Alber Verlag Freiburg/ München 1993, S. 111- 148.

14Vgl. Halberg F, Cornélissen F, Katinas G, Schwartzkopff O. Chrono-Oncology in 2002. Abstract, 10. NZW Onkologisch-Pharmazeutiker Fachkongress, January 25-27, 2002, Halberg F, Cornélissen G, Schwartzkopff O. [Book review of Deppert W, Köther K, Kralemann B, Lattmann C, Martens N, Schaefer J, editors. Selbstorganisierte Systemzeiten: Ein interdisziplinärer Diskurs zur Modellierung lebender Systeme auf der Grundlage interner Rhythmen.] Neuroendocrinol Lett 2002; 23: 262-265.

15Es mag erstaunen, daß wir durch eine genauere Betrachtung des Verhaltens der Menschen im sogenannten Dritten Reich wie sie Konrad Löw in seinem gerade erschienenen Buch Adenauer hatte recht – Warum verfinstert sich das Bild der unter Hitler lebenden Deutschen? (Verlag Inspiration Un Limited, London/Berlin 2014) akribisch vorgenommen hat, die hier bezeichneten Bewußtseinsformen in der jüngsten Geschichte Deutschlands nicht nur nachweisen können, sondern sogar noch weitere Ausdifferenzierungen, je nachdem diese Bewußtseinsformen nur intuitiv oder mit hellem Bewußtsein gelebt worden sind.

16Vgl. dazu Mircea Eliade, Der Mythos der ewigen Wiederkehr, Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf 1949, 1953 S. 57ff.

17Kurt Hübner hat diese Zusammenhänge erstmals im letzten Kapitel seines wissenschaftstheoretischen Hauptwerks Kritik der wissenschaftlichen Vernunft (Alber Verlag Freiburg 1978) und später in seinem geistesgeschichtlichen Hauptwerk Die Wahrheit des Mythos (Beck Verlag, München 1985 ausführlich dargelegt. Warum Hübner diese Einsichten seiner Mythostheorie in seinem späten Alterswerk wieder aufgab wird vermutlich unerklärlich bleiben. Vgl. dazu W. Deppert; Nachruf auf Kurt Hübner: Kurt Hübner, ein großer Philosoph, erscheint in: JGPS, (Springer Verlag) Bd.2, 2015.

18Zur Entstehung des Begriffs „Zusammenhangserlebnis“ vgl. W. Deppert, Atheistische Religion, in: Glaube und Tat 27, S. 89-99 (1976).

19Gewiß müssen wir uns vor Gefahren isolieren, wie etwa vor wilden Tieren, Unwettern, Giften oder Krankheitserregern, aber auch dies ist nur über verläßliche Zusammenhänge möglich.

20Zum Begriff der Lebenshaltung und insbesondere zum Begriff der autoritativen Lebenshaltung vgl. W. Deppert, Vereinbarung statt Offenbarung, Rundfunkvortrag (NDR 3, 1982), homo humanus – Nr.21. und homo humanus Jahrbuch 1984, Pinneberg 1984, S.40-43.

21 Vgl. W. Deppert, Problemlösung durch Versöhnung, veröffentlicht unter www.information-philosophie.de und dort unter <Vorträge>, 2009.

22Diesen Gedanken hat einer von uns (W. Deppert) erstmals während dem von der Fritz-Thyssen-Stiftung gesponserten 4. Internationalen Humanistischen Symposions 1978 in einer Diskussion nach einem Vortrag von Prof. Dr. Kurt von Fritz (München) angedeutet. Glücklicherweise sind in den Tagungsberichten die Diskussionen mit abgedruckt, darum vgl. Griechische Humanistische Gesellschaft (Hg.), Wissenschaftliche und außerwissenschaftliche Rationalität, 4. Internationales Humanistisches Symposium vom 6.-13.September 1978 in Portaria (Griechenland), Athen 1981, S. 93.

23Vgl. Immanuel Kant, Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft, Vorrede VIII [470]:„Ich behaupte aber, daß in jeder Naturlehre nur so viel eigentliche Wissenschaft angetroffen werden könne als darin Mathematik anzutreffen ist.“

24Vgl. W. Deppert, Kants Erkenntnisweg und seine Anwendung auf die heutigen Grundlagenprobleme der Wissenschaft (2010), im Internet-Blog: >wolfgang.deppert.de<. Dort findet sich die vollständige deutsche Fassung, die als Vortrag in Teheran zum International Philosophical Day in Teheran im Nov. 2010 gehalten werden sollte, aber lediglich in einer verkürzten englischen Version teilweise vorgetragen werden konnte.

25So ist etwa seine Raumvorstellung, die sich noch ganz im Rahmen von Euklids Geometrie bewegt, eine absolutistische Vorstellung, die in der Mathematik spätestens mit den Arbeiten von Hugo Riemann und in der Physik seit den Arbeiten von Ernst Mach und Alber Einstein nicht mehr aufrecht zu erhalten ist. Das Entsprechende gilt für Kants Vorstellungen von der Zeit. Vgl. dazu W. Deppert, Zeit. Die Begründung des Zeitbegriffs, seine notwendige Spaltung und der ganzheitliche Charakter seiner Teile, Steiner Verlag, Stuttgart 1989. Zu der eigenen Entwicklung des Kantschen Denkens finden sich schon eine Fülle von Einsichten in G. Florschütz, Swedenborgs verborgene Wirkung auf Kant – Swedenborg und die okkulten Phänomene aus der Sicht von Kant und Schopenhauer, Königshausen & Neumann, Würzburg 1992 so wie in G. Florschütz, Swedenborg’s Hidden Influence on Kant, Swedenborg Scientific Association Press, Bryn Athyn, Pennsylvania, 2014.

26 Vgl. etwa Karl Acham, Analytische Geschichtsphilosophie. Eine kritische Einführung, Alber Verlag, Freiburg 1974 oder Alexander Alland, Evolution des menschlichen Verhaltens,Conditio humana. Ergebnisse aus den Wissenschaften vom Menschen, S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main 1970 und freilich auch in Niklas Luhmann mit Detlef Horster, Die Moral der Gesellschaft, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 2008.

27Zur Theorie ganzheitlicher Begriffssysteme vgl. etwa W. Deppert, Zeit. Die Begründung des Zeitbegriffs, seine notwendige Spaltung und der ganzheitliche Charakter seiner Teile, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1989, S.16f., 20, 71, 248 oder in: Philosophische Anregungen zu neuen wissenschaftlichen Fragestellungen, in: Philosophy and Culture, Proceedings of the XVIIth World Cogress of Philosophy, Section 16 C, Philosophische Moderne, Montréal 1986, S.20-25, oder in: Hierarchische und ganzheitliche Begriffssysteme, in: G. Meggle (Hg.), Analyomen 2 – Perspektiven der analytischen Philosophie, Perspectives in Analytical Philosophy, Bd. 1. Logic, Epistemology, Philosophy of Science, De Gruyter, Berlin 1997, S. 214-225.

28Vgl. dazu W. Deppert, Einführung in die Philosophie der Vorsokratiker – Die Entwicklung des Bewußtseins vom mythischen zum begrifflichen Denken, nicht verlegtes broschiertes Vorlesungsmanuskript, Kiel 1999, 180 S.

29 Vgl. W. Deppert, Mythische Formen in der Wissenschaft: Am Beispiel der Begriffe von Zeit, Raum und Naturgesetz, in: Ilja Kassavin, Vladimir Porus, Dagmar Mironova (Hg.), Wissenschaftliche und Außerwissenschaftliche Denkformen, Zentrum zum Studium der Deutschen Philosophie und Soziologie, Moskau 1996, S. 274-291. Referat zum 1. Symposium des ‚Zentrums zum Studium der deutschen Philosophie und Soziologie‘ vom 4. bis 9. April 1995 in Moskau.

30 Vgl. Kurt Hübner. Die Wahrheit des Mythos, Beck Verlag, München 1985, S. 410.

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